17.08.2026 • Jagd & Jäger

Geduldsprobe

Monatelang wartete der Autor auf seinen neuen MAUSER 25. Fast ebenso lange ist er im Revier einem Bock auf der Fährte. Pünktlich zur Blattzeit trifft die lang ersehnte Büchse ein …

Nichts. Der Pirschgang in den vielversprechenden Tobel brachte keinen Erfolg. Es war vielleicht vorhersehbar, dass dort am frühen Morgen die Blattpirsch nicht zum gewünschten Erfolg führen würde. Bereits gegen 6 Uhr war es über 20 Grad heiß. Und wie die Revierkontrollfahrt am späten Vorabend mit dem Wärmebildgerät ergeben hatte, hatte das Rehwild die Brunft komplett in die Nachtstunden verlegt. Jetzt kam alles zusammen: Rehbrunft bei sengender Hitze und Trockenheit sowie Vollmond. Kein Wunder, dass am etwas kühleren frühen Morgen keine Aktivität mehr zu spüren war. 

Taktische Frühstückspause. In einer Stunde würden wir es noch einmal in einem anderen Teil des Reviers probieren, so der Plan. Dort ist zumindest ein reifer Abschussbock bestätigt, der alle Mitjäger bereits seit Mai „an der Nase herumführt“. Die Geländeverhältnisse in dieser Ecke sind eher suboptimal. Kupiertes, teilweise steiles und unerschlossenes Gelände, mit dichtem Nadelwald bestockt, nur wenige Ecken, die einen Kugelfang bieten. Selbst einen eilig im Mai aus umherliegendem Kronenmaterial hergestellter Erdschirm an diese Stelle zu bringen, ist eine Tortur und brachte bisher nicht das gewünschte Waidmannsheil. Unzählige Mal zog der Gesuchte im Schutz des Horizonts oder hinter der Deckung von Bäumen unbeschossen aus dem Absehen. Alle Hoffnungen liegen auf der Brunft. Vielleicht gelingt es, den heimlichen Bock mit dem Blatter vor die Büchse zu kriegen. Zwar stehen die meisten Böcke im Revier derzeit noch bei den Geißen, wie die Bilder der Wildkameras bestätigen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Kachel Bild 1
Kachel Bild 2
Kachel Bild 3
Kachel Bild 4

ZWEITER PIRSCHGANG
Zunächst gilt es, möglichst unbemerkt zum Schirm zu kommen. Die trockenen Bodenverhältnisse spielen gegen uns. Egal, wie sehr man sich bemüht, es raschelt und knistert bei fast jedem Schritt. Wenigstens kann sich Rehwild bei dieser Trockenheit auch nicht leise fortbewegen, so der tröstende Gedanke. Drei bis vier Schritte im Zeitlupentempo nach vorne, halten, horchen, beobachten, weiter pirschen.

Bereits beim dritten Pirschhalt eine Bewegung am Horizont. Sofort wandert das Minox X-Pro Fernglas an die Augen und bestätigt: das ist er! Und wieder: Kein Hintergrund, kein Kugelfang, Träger und Haupt ragen knapp aus den Brombeeren heraus. Ruhe bewahren und Zielstock parat stellen, während der Bock für einen Augenblick nicht her äugt. Gesagt. Getan. Erneuter Blick, jetzt durchs Zielfernrohr. Wo ist der Bock? Eine Bewegung verrät ihn, der erneute Blick bestätigt: Nein, es ist ein zweites Reh. Eine Geiß, die vom Bock getrieben wird. Doch noch immer bewegt sich das Brunftpaar am Horizont. Keine Möglichkeit zum Schuss. Letzte Chance: Kitzfiep. Was aber, wenn Geiß und Bock daraufhin von ihrer jetzigen Stelle zustehen. Dann ist es immer noch nicht möglich, zu schießen. Jetzt ist weiterhin Geduld gefragt. Das Spiel dauert wenige Minuten, von den beiden Rehen ist plötzlich weder etwas zu sehen noch zu hören. Sofort wird die Gelegenheit genutzt, den Standort etwas zu verändern und ein paar zarte Kitzlaute aus dem Blatter zu lassen. Immer noch alles ruhig. Nochmal zwei etwas lautere, aber dennoch verhaltene Kitzrufe.

EINE CHANCE
Urplötzlich eine Bewegung hangaufwärts. Jetzt zumindest in Richtung eines geeigneten Hintergrundes als Kugelfang. Sofort geht der MAUSER 25 in den Anschlag und der Blick durch das Zielfernrohr. Zwischen zwei starken Fichten eine rote Bewegung. Bock? Nein, Geiß. Der Finger bleibt gerade. Warten. Etwa 4 Meter dahinter die nächste Bewegung. Das muss der Bock sein. Doch der Stamm verdeckt den kompletten Wildkörper. Einzig das Paar Hinterläufe lugt hinter der rechten Stammseite hervor. Der Leuchtpunkt des Absehens wandert auf die linke Seite des Baumstamms, der Daumen löst die Sicherung des Gewehres. Sekunden fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Zwei weitere Kitzfiepe aus dem Blatter bringen wieder Bewegung in das Liebesspiel. Die Geiß folgt den Lockrufen, hinter dem Stamm taucht der Bock im Absehen auf und der Schuss aus der Büchse lässt ihn nach kurzer Todflucht verenden.

Geduld, Ruhe und der richtige Moment brachten das Waidmannsheil mit der lang ersehnten MAUSER 25. Ein gelungener Einstand für die neue Büchse und ein krönender Abschluss einer spannenden Jagd.

 

Text: Thore Wolf; Fotos: David Voss

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